Gleich und Gleich gesellt sich gern oder ziehen sich Gegensätze an?

Gleich und Gleich gesellt sich gern? Oder ziehen sich Gegensätze an?

Eine Frage, die sich vielleicht weniger Menschen stellen, als eigentlich sollten.

Vor einigen Tagen saß ich mit einer Freundin zusammen, die selbst gerade eine „etwas schwierige Phase mit ihrem Partner durchlebt“ – so sie selbst. „Wie genau schaut diese schwierige Phase denn aus?“ fragte ich. „Wir schlafen nicht miteinander, sprechen kaum miteinander und auch sonst haben wir eigentlich nichts gemeinsam. Ich mache mein eigenes Ding, gehe tanzen, besuche Freunde und verbringe meinen Alltag komplett ohne ihn. Er verlässt das Haus eigentlich nur um zu arbeiten. “ – Ich erschrak. Das hörte sich gar nicht gut an. Ich fragte meine Freundin, warum sie überhaupt zusammen seien und sie brach in Tränen aus. „Ich weiß es nicht!“ – weinte sie. „Ich hab ihn gern aber diese Beziehung bringt mir eigentlich rein gar nichts! Ich mache eh alles alleine. Er geht weder mit mir ins Theater oder ins Kino, noch ist er besonders aufmerksam. Die Leidenschaft ist bereits vor Jahren erloschen! Ich habe ihn sooooooo oft gebeten, mir zuliebe mitzukommen aber seine Antwort ist immer dieselbe: So hast du mich halt kennengelernt!!!“.  


Ich lehnte mich zurück und dachte über ihre Worte nach. Das Hauptproblem lag meiner Meinung nach darin, dass die Beiden zu unterschiedlich waren. Sie liebte das Leben, war gerne unterwegs, tanzte gern, sah gerne Filme und und und. Ihr Ehemann war wesentlich ruhiger, ging nicht gerne aus und das Einzige was ihn wirklich aus dem Haus bekam, war die Jagd. Konnte eine Partnerschaft, die auf so unterschiedlichen Charakteren basierte, wirklich halten? Trotz des bekannten Satzes „Gegensätze ziehen sich an“ bin ich der Ansicht, dass es die Gemeinsamkeiten sind, die ein Paar zusammenhalten. Ich hab selbst am eigenen Leib zu spüren bekommen, wie die gegensätzlichen Eigenschaften des Partners nach einigen Jahren plötzlich anfangen zu stören. Ich rede nicht von Makeln – die haben wir schließlich alle. Ich rede von Vorlieben und Hobbies. Du probierst gerne ausländisches Essen und dein Freund mag nur deutsche Hausmannskost. Er macht für sein Leben gern Sport und deine einzigen Laufschuhe sind 15 Jahre alt und haben immer noch das Etikett. Du reist gerne, tanzt gerne und stehst auf Konzerte. Er bevorzugt die Playstation und das Wohnzimmer.

Ich bin ein Fan von Selbstständigkeit in einer Beziehung, von Freiraum und auch von der Bewahrung der eigenen Freundeskreise etc.

Aber wenn wir und unsere Vorstellungen vom Alltag sich wirklich komplett voneinander unterscheiden, bleibt nach der anfänglichen Euphorie füreinander vielleicht irgendwann nichts mehr übrig, was man miteinander teilen kann und möchte. Und was dann? Führen beide ihr eigenes Leben? Entwickeln sich beide weiter aber jeder für sich? Gegensätze erscheinen uns vielleicht anfangs interessant und erregen unsere Aufmerksamkeit. Auf lange Sicht sind sie allerdings – auch bei aller Liebe – äußerst anstrengend…

Mama – warum verstehen wir uns nicht?

Auch Jahre nach der Pubertät ist die Beziehung zwischen Müttern und Töchtern oft kompliziert. Sie lieben sich, sie streiten sich und begegnen sich oftmals mit völligem Unverständnis.  Doch warum ist das so? 

Meine Mutter und ich streiten uns manchmal derart, dass die Fetzen fliegen. Und das, obwohl ich fast 30 bin! Es gibt Momente, in denen ich felsenfest davon überzeugt bin, dass ich sie nicht leiden kann, dass ich sie nur liebe, weil sie meine Mutter ist und ich sie lieben muss! Wir sind so unterschiedlich, dass wir uns gar nicht verstehen KÖNNEN! Oder?

Und dann gibt es wieder Momente, in denen ich heule wie ein kleines Mädchen, weil meine Mutter nach ihrem Besuch wieder abreisen muss oder weil ich in einem Film eine herzzerreissende Mutter-Tochter-Szene sehe und mir wird bewusst, dass sie der wichtigste Mensch in meinem Leben ist.

Töchter reagieren manchmal extrem sensibel auf Äusserungen ihrer Mütter, fühlen sich schnell angegriffen und in Frage gestellt. Mütter wiederum sind oftmals besorgt um das Wohl ihrer “Kleinen”, wünschen ihr nur das Beste und vergreifen sich dann zu 99 % im Tonfall. Doch nicht nur das mangelnde Kommunikationsvermögen führt zu Konflikten. Das wohl grössere Problem ist die beiderseitige Erwartungshaltung: Eine Mutter erwartet von ihrer Tochter Integrität, Gradlinigkeit, Erfolg und all das, was sie vielleicht selbst nicht erreicht hat. Wenn dann auch nur ein einziger Punkt an irgendeiner Stelle wankt oder eine Mutter meint, dass die eigene Tochter kurz davor seht, eine Fehlentscheidung zu treffen, fängt sie an sich zu sorgen und möchte intervenieren. Manchmal hört sie auch einfach nicht zu und verkennt in ihrem Gauben alles über ihre Tochter zu wissen, ihre Entwicklung und ihre eigentlichen Stärken und Schwächen.

Und andersrum?Ich denke ich spreche nicht nur für mich selbst, wenn ich sage, dass auch ich an meine Mutter jede Menge Erwartungen habe. Ich möchte in ihr die starke, taffe und gebildete Frau sehen, die sich durch ihr Selbstbewusstsein und ihre Authentizität auszeichnet. Sie soll eine “wahre Mutter” sein, an der ich mich anlehnen und bei der ich um Rat bitten kann, wenn ich nicht weiter weiss. Wenn sie dann strauchelt oder gar fällt, bin ich enttäuscht, sehe mich um mein Recht auf eine starke Leitfigur betrogen, fühle mich unverstanden oder von ihrem mangelnden Fingerspitzengefühl vor den Kopf gestossen. Das kleine Mädchen in mir will nicht einsehen, dass meine Mutter nicht perfekt ist. Was ich dabei vergesse, ist, dass sie nicht perfekt sein kann! Sie ist eine Frau wie jede andere auch. Sie muss sich – ebenso wenig wie ich – in keine Schablone pressen lassen. Sie ist wie sie ist – undiplomatisch, gerade heraus, unsicher, ein wenig naiv und manchmal etwas unselbständig. Doch sie hat es geschafft, mich grosszuziehen, mich mit allem auszustatten, was ich brauchte um meinen eigenen Weg zu gehen. Und genau dafür verdient sie meine Liebe und meinen Respekt. 


Vielleicht sollten wir öfter versuchen, unsere Mütter mit den unvoreingenommenen Augen einer anderen Frau und weniger mit den erwartungsvollen Augen einer Tochter anzusehen. Dann wäre das gegenseitige Verständnis füreinander vielleicht gar nicht so schwer…