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Wie tolerant sind wir wirklich?

Wie tolerant sind wir wirklich?


Dieses Wochenede war es wieder soweit: Gaypride in Madrid! Die Strassen waren voller Menschen, alles lachte, feierte und tanzte, dass es nur so bebte. Und mitten drin: Mein Freund und ich.

Nackte Haut soweit das Auge reichte und küssende Männer an jeder Ecke – “Alles pure Heuchelei”- hörte ich einen gepflegten älteren Herrn zu einer Frau sagen. “Madrid ist nicht halb so tolerant wie es sich hier und heute gibt!”. Ich zuckte die Schultern und wandte mich wieder meinem Freund zu, der sich an diesem Tag vor lauter Verehrern nicht retten konnte. Bevor ich mich versah – zack! Hatte er sich wieder einen Kuss eingefangen. Ich lachte über die Unverfrohrenheit, mit der die Jungs hier auf die Jagd gingen und griff Rico bei der Hand.

Hatte es mich gestört, ihn mit einem anderen Mann zu sehen? Ich denke nicht. Ich weiss, dass er Männer nicht anziehend findet und dass er sich nur aus Jux und Dollerei hat küssen lassen. Was war schon dabei? Meine Anspielung auf einen Dreier mit einem anderen Mann lehnte er jedenfalls dankend ab. Wir tanzten mit schwulen Pärchen, tranken mit einer Trans um die Wette, die mir ihre Brüste ins Gesicht gedrückt hatte und feierten die sexuelle Selbstbestimmung und Identität mit einer Euphorie, wie aus dem Bilderbuch.

Einen Tag später dann der Kater. Ebenfalls wie aus dem Bilderbuch. Neben die Begleiterscheinungen des Alkohols traten auch die Erinnerungsfetzen an die vielen gleichgeschlechtlichen Küsse  und … die Worte des alten Mannes. “Madrid ist nicht halb so tolerant, wie es sich gibt”. Ob er wohl Recht hatte? Ich dachte über mich selbst nach und musste gestehen, dass ich bis vor einigen Jahren noch nicht so natürlich mit der Homosexualität umgegangen war, was wohl an meinem relativ konservativem Elternhaus und auch an meinem Freundeskreis lag. Einfach Alle um mich herum waren hetero und auch ich selbst hatte nie Erfahrungen mit einer anderen Frau gemacht. Selbst in Sachen Pornos hatte ich immer zu der klassischen Konstellation Mann-Frau gegriffen . Inzwischen war das ein wenig anders. Ab und zu spürte ich Neugier für den weiblichen Körper, hatte mir auch das eine oder andere Shemale- oder Gruppensex-Filmchen angesehen und war überzeugt davon, dass man ruhig alles mal ausprobiert haben sollte. Was war schon dabei? Wenn es einem nich gefiel, dann halt nicht… Wie oft haben wir bereits bei einem Mittagsgericht daneben gegriffen und davon ist schliesslich auch nicht die Welt untergegangen.

Und genau diesen Prozess erlebt derzeit auch unsere Gesellschaft. Bis vor einigen Jahrzehnten war gleichgeschlechtliche Liebe noch etwas Seltsames, etwas Verbotenes. Heute zuckt niemand mehr mit der Wimper, wenn im Einkaufszentrum zwei Männer Händchen halten. Frauen heiraten andere Frauen, Männer adoptieren Kinder, na und?

Madrid ist nicht halb so tolerant wie es sich gibt”- das mochte für gewisse Altersgruppen vielleicht stimmen. Aber die Dinge sind eben nicht immer schwarz oder weiss. Menschen verändern sich! Nur weil dieser Mann in konkreten Situationen auf Unverständnis oder Vorurteile gestossen war (und versteht mich nicht falsch! Ich bedauere sehr, dass er diese Erfahrungen machen musste), bedeutet dies nicht, dass unsere Gesellschaft sich nicht weiterentwickelt.

Toleranz ist evolutiv. Und was genau bedeutet Evolution? . Evolution ist die allmähliche Veränderung von Generation zu Generation.

Mit ein bisschen Geduld können wir also in ein paar Jahren behaupten:

“Ja! Madrid ist genau das! Die WELT ist genau das! Sexuelle Selbstbestimmung, Toleranz und Verständnis für Alle!”

Cindy Alva

Cindy Alva

Vor einigen Jahren habe ich eine etwas schwierige Zeit durchgemacht, in der ich nicht wusste was, wen und wohin ich wollte. Um mich selbst und meine Gedanken ein wenig zu sortieren, habe ich eines Tages angefangen, ein Buch zu schreibem. Babum. Ich hätte niemals gedacht, dass es irgendjemand lesen würde. Im Ernst! Aber ich hatte Unrecht.

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Cindy Alva

Ich lache gerne, bin von Natur aus glücklich, liebevoll, lebensfroh, sensibel, albern und sehr nachdenklich.

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